9.4.2015 Anton-Schmaus-Haus/Berlin: Rechte Hooligans in den Stadien und auf der Straße –( Re-)Aktivierung einer Subkultur

Hatte das Auftreten extrem rechter Hooligans insbesondere am Rande von Fußball- Länderspielen des bundesdeutschen Herren-Nationalteams in den 1990er Jahre noch gelegentlich für Schlagzeilen gesorgt, galt die Gewalt von Hooligans im Taumel des vermeintlich friedliebenden Partypatriotismus in der Öffentlichkeit fortan als überwunden. Zurück ins Rampenlicht katapultiert wurde das Phänomen mit einer Demonstration vergangenen Oktober in Köln, bei der Tausende von Hooligans gemeinsam mit zahlreichen bekannten Neonazis in der Innenstadt randalierten und Menschen, die sie als Migrant_innen identifizierten wie auch die komplett überfordert wirkende Polizei angriffen. Als sich zuvor Warnungen von Faninitiativen und kritischen Journalist_innen gehäuft hatten, dass rechte Hooligan-Gruppen zunehmend wieder in die Stadien drängten und sich für eine alternative, antirassistische Fankultur einsetzende „Ultras“ gewaltsam verdrängten, war der Aufschrei hingegen ausgeblieben. Das selbst gewählte Label „Hooligans gegen Salafisten“ – kurz HoGeSa- mit dem die Hooligans unter dem Deckmantel einer vermeintlichen Kritik am Islamismus gegen alles „Undeutsche“ hetzen, ist seit nun mehr einem halben Jahr in aller Munde.

Inzwischen hat sich die Organisationsstruktur hinter dem Label an internen Streitigkeiten weitgehend selbst zerlegt. Einer der Mitbegründer zog kürzlich sogar öffentlich den Schluss, dass „HoGeSa“ mittlerweile nicht mehr als eine „Klamottenmarke“ sei. Was geblieben ist, ist allerdings das neu entdeckte politische Engagement für neonazistische und andere rechte Inhalte. So nehmen in Berlin mehr oder weniger große Gruppen von Hooligans regelmäßig an den rassistischen Aufmärschen gegen Flüchtlingsunterkünfte in mehreren Bezirken und an den Demonstrationen des Berliner Pegida-Ablegers teil. Sie versuchen dabei immer wieder, Journalist_innen systematisch an ihrer Arbeit zu hindern und Gegendemonstrant_innen einzuschüchtern.

Aber auch in den Berliner Stadien, insbesondere bei Spielen im Amateurfußball-Bereich, fällt ein extrem rechts Fanklientel seit Jahren wiederholt durch verbale Provokationen bis hin zu tätlichen Angriffen auf. Der Süden Neuköllns wird in diesem Zusammenhang immer wieder genannt. Insbesondere beim in Rudow ansässigen TSV 1888 e.V. versammelte sich in der Vergangenheit bei Spielen gegen Vereine, dessen Anhang als „links“ gilt, eine Melange aus gewaltbereiten rechten Fußballfans aus dem Bezirk und Neuköllner Neonazis. Zuletzt bei einer Partie im letzten Herbst blieb es nicht bei Pöbeleien, eine Gruppe versuchte abreisende Gäste-Fans anzugreifen.
Wie ist die aktuelle Situation und wie könnten Interventionsstrategien in den Stadien und darüber hinaus aussehen?

Über diese Fragen möchten wir sprechen mit dem Fan-und Männlichkeitsforscher Robert Claus (KoFaS, Uni Hannover), Sören Kohlhuber (Freier Journalist zu den Themen Nazis und Fußball) und einer Vertreterin der „Aktiven Fans“ von Tennis Borussia (TBAF). Moderieren wird die Veranstaltung Juliane Lang vom Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus

09.04.15 I ab 19.30 Uhr im Anton-Schmaus-Haus (Gutschmidtstraße 37 I U7 Britz-Süd)

Zur Veranstaltung geht es hier.