10.11.2016 Sputnik/Potsdam: Buchvorstellung: Rirette Maîtrejean

Thematisch geht es um das aktuelle Thema der Attentate, allerdings aus historischer und selbstkritischer Sicht des Anarchismus. Im Mittelpunkt des Buches steht mit Rirette Maîtrejean (1887-1968) französische Anarchafeministin und Individualanarchistin, die sich zu ihrer Zeit, im Frankreich vor dem Ersten Weltkrieg, als anarchistische Attentate und Raubüberfälle verbreitet waren, entschieden gegen anarchistische Attentatspolitik wandte und somit zu den „Selbstheilungskräften” der Anarchie gehörte. Die daraus entstandenen konfliktgeladenen Diskussionen führten zur Schwächung der anarchistischen Massenbewegung beim Kriegseintritt Frankreichs 1914. In den Zwanziger- und Dreißigerjahren kritisierte sie ihren ehemaligen Lebenspartner Victor Serge, als dieser den Staatsterror der jungen Sowjetunion befürwortete. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg begegnete sie Albert Camus, der ihre Erfahrungen in seiner Kritik des Nihilismus ausformulierte.

Das Buch ist zudem der Versuch, eine unbekannte Anarchafeministin aus Frankreich im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen. Außerdem geht es um das damalige Milieu libre, eine ganze Szene von Kommunen und Gemeinschaftsprojekten der damaligen anarchistischen Bewegung.