Skinheads zwischen 1972 und 1982 – Ein Bericht aus dem Melodies of War

Skinheads zwischen 1972 und 1982 – Ein Bericht aus dem Melodies of War (Bezug des Fanzines über Melodies of War im pharao-house-crash.tk -Forum) Eine Frage, die mich schon lange bewegt, ist die, was Skinheads zwischen 72 und 78 gehört haben. In der „Bibel“ wird diese Zeit mit Allerweltsphrasen wie „Dann hörten Skinheads Glamrock.“ abgetan. Dass das einfach so nicht stimmt, habe ich mir schon länger gedacht.

Wie und vor allem warum sollten Fans schwarzer Musik auf einmal auf Selbstdarsteller und Modepüppchen wie Slade stehen? Jetzt habe ich die große Ehre, euch teilweise vom Gegenteil zu überzeugen! Tim Wells kommt aus dem Londoner East End und wurde Mitte der 70er Skinhead und Reggae-süchtig. Später schrieb er unter anderem für das berühmte Zoot! Zine. Aber lest einfach selbst, was er zu diesen Zeiten zu sagen hat (ich habe Tims Erzählungen auf den Aspekt Skins/Reggae in den 70s gekürzt, alles andere wie zum Beispiel seine Modetips gibt’s ein andermal!): „Skinhead wurde ich in der Schule. Wir hörten ne Menge Reggae, Sachen wie Skanga, dieses Rupie Edwards Stück hatte echt was. Es gab zu dieser Zeit nur noch wenige Skins und wir hörten alle in erster Linie Reggae. Das war in den späten 70ern, Cactus brachte einige gute Rupie Edwards Sachen wie „Boogooyaya“ oder „Irie feelings“ heraus, so Zeug hörten wir. Zu dieser Zeit kamen auch massenweise geniale Joe Gibbs Tunes raus. Lloyd Parks „Mafia“ war auch ziemlich groß. Judge Dread veröffentlichte damals auch einige gute Sachen. (…) Unsere Musik war immer Reggae. In unserer Firm war das coolste „Psychedelic Reggae“, umso abgefahrener, desto besser. King Horror war sehr beliebt. Er ist immer noch einer meiner Lieblinge. Wir mochten alle Crystalites tunes und all dieses Kung Fu Zeug von Lee Perry. Eine der genialen Sachen an Reggae sind all diese Genres: Cowboy, horror, funky chicken, rude und so weiter. (…) Beliebte Tunes waren „Outer Space“, der Upsetter tune von „Scratch the Upsetter again“. Da haben die Bläser und die Orgel ein fantastisches Echo. Die Mädels standen immer auf (Und jetzt hört gut zu, ihr Selecter!) „Something sweet the lady“ auf GAS. Rupie Edwards, der hier in der Gegend immer noch einen Plattenladen führt, hatte einen Tune namens „The return of Herbert Spliffington“, der als DJ Track zu meinem Markenzeichen werden sollte.“Promoters Grouse“ war auch sehr geil. (…) Das allerwichtigste war, Versions zu spielen. Wenn jemand „Liquidator“ statt „What am I to do now“ aufgelegt hätte, wäre er ausgelacht worden. Auch die Aktuallität deiner Reggae Singles war ganz schön wichtig! Wir kauften unsere Tunes in Reggae Shops, wo wir stundelang herumhingen, Singles durchhörten und zeigten, dass wir Ahnung hatten. Hätte man nach so einem Nachmittag „Wreck a buddy“ oder so auf die Ladentheke gelegt, wäre man ausgelacht worden – und das zu recht! Vor allem in London war der ganze DJ Kram ziemlich in, ich denke weil unsere westindische Gemeinde größer war als im Norden. Im Norden war Reggae auch schwieriger zu bekommen, weshalb sie dort eher Soul hörten und Lionels trugen. Dennis Alcapone lebte zu dieser Zeit in London. Er hatte viele geniale Sachen mit Duke Reid und Coxsone Dodd aufgenommen. Wir mochten ihn sehr. I Roy mochte ich vielleicht am liebsten. Ich bin ein großer Moodie´s Fan und seine ersten Dj Tracks auf dem Label sind pures Gold. Aber viele DJs nahmen auch sehr eigenartige Songs auf. Wir standen auf abgefuckte Intros und beschissene Effekte. Das I Roy „Presenting I Roy“ Album war zum Beispiel spitze! „DJ´s Choice war auch hervorragend. Dennis Alcapone und Lizzy hatten einige schöne Duke Reid Versions darauf. Dann gab es da noch Shorty the President und Eek a Mouse, sein „Atlantis Lover“ war toll. (…) Mein Kumpel Steve war Rolling Stones Fan. The Faces waren auch cool und Country hörten wir auch noch ab und zu. George Jones zählte unter den Country Sängern zu den beliebtesten. Dann kam irgendwann die Santa Cruz Firm nach London, die standen auf Slade. (…) Wir hingen viel in Reggae Shops rum, Daddy Kool war der größte. Dort konnte man den ganzen Tag Musik hören. In der Gegend um Dalston gab es auch Reggae Shops, also nicht all zu weit entfernt von mir. Das schwierigste war es, immer ein Stück voraus zu sein. Du musstest deine Musik kennen, nur vom Hören den Produzenten erkennen, wissen wo der Riddim für die Version her kam usw. Konntest du das nicht warst du out. Es war ein ständiger Wettkampf unter Freunden, wer die rarste Version zu einem Tune hatte. Blank Labels waren das coolste. Selbstverständlich musste man auch den Unterschied zwischen einer Jamaika Pressung und einer englischen erkennen. Englische Pressungen haben dieses spezielle Center, solche Dinge musstest du wissen. Wir sahen selbstverständlich auch eine Menge Bands live. (…) Weitere beliebte Tunes waren „Sons of Thunder“, der Lee Perry Tune auf Punch und „The return of Jack Slade“, das ist mal ein geiler Skinhead tune! Wenn wir tanzen gingen waren Songs wie „Heavy Reggae“, der Cut der Roosevelt Singers zu „Johnny Reggae“ sehr beliebt. Der war auf Sioux. „Boss a moon“ war der beste Cut zu „Moon Hop“, der war auch mal richtig klasse. Der Joe Gibbs Tune „Nevada Joe“ war beliebt und ein beliebter Buster tune war „Dr Fud the fud and Del tune“ auf Song Bird. (…) Wie ich erwähnt habe, legte ich auch auf. Das tat ich vor allem bei Ska Shows, aber auch bei Robey. Das war der Pub, wo wir uns meistens zuschütteten. Ich war dafür berüchtigt, auch ein wenig Glam zu spielen, das ging für rotzbesoffene Nächte schon in Ordnung. The Sweet, T-Rex, solches Zeug. Das ist einfach Musik, die jeder englische Jugendliche damals mochte. (…) Dann spielte ich auch immer einen Haufen Cuts zu „Ali Baba“ oder „Westbound train“. Ich habe einen Ansel Collins Cut auf den tune, der echt geil ist. Ich sah viele Konzerte in Gaz´s Rocking Blues, wo ich auch auflegte. Horace Andy, Dennis Alcapone, Laurel Aitken, Prince buster, Bad Manners, Ska Flames, Potato 5 und einmal sogar Bruce Willis, wie er auf einer Harmonika spielte. Dort war auch immer ein Haufen hübscher Birds! Ich war mit Nicky Welsh bei King Hammond. Nicky Welsh war einer meiner besten Freunde, er spielte unter anderem für die Bad Manners oder Selecter. Wir hatten viele geile Gigs, zum Beispiel mit fetten GoGo-Tänzerinnen, oder als Chris Butler seinen Arsch anzündete, oder als wir in Skinhead Glam Rock Uniform auftraten. Wir streuten das Gerücht, dass es sich bei King Hammond um Original 70s Reggae handelte, der kürzlich auf einem Markt in Dalston wieder aufgetaucht sei. Natürlich konnte jeder Depp erkennen, dass das nicht stimmte. Nur die Krauts regten sich darüber auf. Aber die Hunnen sind ja auch nicht gerade für ihren Humor berühmt! (Oha, ein Antideutscher!) (…)

Quelle: Melodies of War-Fanzine

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