Skinheadoutfit

Ein ewiges Thema in der Skinhead-Szene: Das Outfit. Schon Generationen von Skins stritten sich um hart oder smart? Traditionell oder Hardcore? Militärisch oder zivil? Loafers oder Rangers? Weiße, rote oder schwarze Schürsenkel? Vollglatze oder Number 4 Crop? Sta-Press oder Domestos? Anzug oder Fußballtrikot? Lonsdale oder Adidas? Fred Perry oder Pringle? Markenkleidung oder Grabbeltisch? Ben Sherman oder Brutus? Billig oder teuer? Levis oder Wrangler? Kotletten oder lieber doch keine? Lange Haare im Nacken von Skingirls oder lieber nicht? Bomber oder Harrington? Tja, wegen solchen Fragen haben sich schon ganze Horden von Glatzen die Schädel eingeprügelt. Gangs zerfielen und Liebende trennten sich. Um euch etwas Entscheidungshilfe zu geben, nun dieser kleine (nicht so bitter ernst zu nehmende) Exkurs über Licht- und Schattenseiten und lustige Details des Skinhead-Outfits, ergänzt um einige Einkaufstips.

Was für ein Skin-Typ bist du?

Hier eine kleine Übersicht über die Outfit-Idealtypen (grob vereinfacht):

Typ 1 Traditionell: Jacke: Jeansjacke, Harrington, Sheepskin, Donkey, Crombie, Surfer Jacket.

Hose: möglichst dunkelblaue oder weiße Jeans (Levis, Wrangler, Lee), Sta-Press, möglichst kein Domestos, manchmal auch Cord.

Pulli: Wollpulli oder Pullunder mit V-Auschnitt, Strickjacke.

Aufnäher: Keine, Ausnahme: Trojan Apreaciation Society, höchstens dezente Metallanstecker.

Hemd: Ben Sherman, Brutus oder anderes Button Down Hemd (Muster: kariert, gestreift, einfarbig), Fred Perry Poloshirt.

Schuhwerk: Dr. Martens Stiefel (nicht zu hoch) ohne Stahlkappe, Loafers, Brogues, Dr. Martens Halbschuhe. Schnürsenkel: schwarz. Selten: Addidas Turnschuhe (70er Jahre Modell).

T-Shirt: Reggae- und Skalabel, manchmal auch Bands

Haarschnitt: Number 1-4 Crop, selten auch dünner rasierter Scheitel (wie bei schwarzen Amerikanern).
Hosenträger: schmal und einfarbig, manchmal auch schwarze oder dunkelbraune Ledergürtel ohne Koppelschloß.

Typ 2: deutscher Durchschnitt:

Jacke: Bomber, Harrington oder Donkey.
Hose: Jeans (gerne Domestos!)
Pulli: Fred Perry oder Lonsdale, Hauptsache es steht ne Marke drauf.
Hemd: Ben Sherman (Hauptsache kariert!) oder Fred Perry.
Aufnäher: Im Prinzip ja, außerdem gerne Buttons
T-Shirts: Viele Band T-Shirts, Lonsdale.
Schuhwerk: Stiefel! Nur Martens mit Stahlkappe oder Rangers, Senkel gerne weiß, manchmal rot, gelb oder schwarz.
Haarschnitt: kurz! Entweder naß oder Number 1.
Hosenträger: Ja! ein Muß.

Typ 3: Der Superharte

Jacke: Bomber.
Hose: Militär oder Domestos.
Hemd: Was ist das? Höchstens das schwarze Perry mit den gelben Streifen (das Norm-Skin-Perry oder auch Borussia Dortmund Perry).
T-Shirt: Jawoll! Entweder ne Oi-Band drauf oder n Spruch vom Jahrmarkt, Hauptsache irgendwas mit Saufen oder Lonsdale.
Pulli: Lonsdale und nur mit Kapuze.
Schuhwerk: Nur Rangers mit andersfarbigen Senkeln.
Haare: Ab! Am besten eine polierte Platte. Bei Damen gleicht die Frisur einer Mönchs-Tonsur.
Hosenträger: breit und auffällig oder ein Gürtel mit Koppelschloß.

Ich persönlich neige ja eher zur ersten Variante, dem traditionellen Typ. Und das aus mehreren Gründen:
Man setzt sich hiermit recht deutlich von den Faschos ab und wird nicht mit ihnen verwechselt. Also stärkt man auch nicht ungewollt deren Image.
Dies ist der Stil aus der Epoche, in der die Skinheadbewegung noch am wenigsten von den Faschisten mißbraucht wurde und in dieser Zeit liegen zumindest meine Wurzeln mit denen ich mich voll identifizieren kann: Klassenbewußtsein, schwarz geprägte Musik.
Dieses Outfit verzichtet weitgehend auf die militaristischen Elemente die mit Oi! und später mit Fascho und Hardcore aufkamen.
Es sieht einfach besser aus.

Aber letztlich ist das alles eine Geschmacksfrage. Zum (körperlichen) Arbeiten bevorzugte ich früher zum Beispiel auch Kapuzenpullis und Stahlkappenschuhe. Im Büro sind dagegen Brogues und Button Down Shirt natürlich bequemer.

War Skinheadkleidung immer billig?

Red Devil schrieb in einer Ausgabe des Skinheadfanzine Revolution Times: „Der Trend zur Mode beginnt meist dort, wo der Griff zum teuren Klischeeoutfit der Marke Ben Sherman, Fred Perry, Lonsdale oder Dr. Martens beginnt (…).Die Kleidung damals trug man, weil sie billig, praktisch und zum Teil Arbeitskleidung war. Praktisch ist sie auch heute noch. Arbeitskleidung? wohl selten. Billig? Wohl keineswegs mehr.“

Ich möchte einigen Aussagen von Red Devil widersprechen. und stelle hiermit fest: 1. Skinheadklamotten waren auch 1969 oder 1982 nicht durchweg billig, sondern eher in mittleren bis hohen Preislagen angesiedelt. 2. Mit wenigen Ausnahmen sind Skinheadklamotten auch nicht aus der Arbeitswelt entlehnt.

Zu 1. Die Skinheads entstammen, wie schon oft erwähnt, der Mod-Bewegung. Diese zeichneten sich durch ein großes Mode- und Markenbewußtsein aus. Mod entstand vor dem Hintergrund steigender Löhne im England der sechziger Jahre. Junge Arbeiter konnten es sich in dieser Zeit erstmals leisten, teure oder hochwertige Kleidung und Motorroller zu kaufen.

Auch die Mode der Skinheads war keine Billigware: Levis, Lee und Wrangler Jeans waren damals noch nicht an jeder Ecke zu haben. Dies war vergleichsweise teure Importware aus den USA. Skinheads trugen Ende der sechziger Jahre zum Ausgehen Anzüge, die aus zum Teil teuren Material waren: Mohair oder auch verschiedenfarbig glänzende Tonik-Stoffe. Auch die Schuhe (mit Ausnahme der Martens) waren nicht sehr billig. Auch heute noch sind Loafers und Brogues mit Ledersohle recht teuer. Dieses Stilbewußtsein hatten die Skins von ihren älteren Brüdern, den Mods übernommen. Man stand dazu, Arbeiter zu sein, doch man wollte auch zeigen: ich habe Stil, ich kleide mich gut.

Zu 2.: Lediglich zwei Skinheadkleidungsstücke entstammen der Arbeitswelt: Donkey-Jackets (traditionelle britische Arbeitsjacken) und Dr. Martens-Stiefel. Jeans dagegen waren, wie schon erwähnt, teure Importware und keine traditionelle britische Arbeitshosen. Natürlich sollten Kurzhaarschnitt, Hosenträger, Donkeys und Stiefel die proletarische Herkunft betonen, jedoch sollte das übrige Outfit auch durch Stil, gutes Material und guten Schnitt bestechen. Button-down Shirts, Anzüge, Wollpullis und Sta-Press kaufte man eben nicht im Arbeitsbekleidungsgeschäft, sondern beim Herrenausstatter.

Als Untermauerung meiner Behauptungen möchte ich auf Interviews mit `69-Skins verweisen und auf die Tatsache, daß heutige Subkulturen auch teure Klamotten tragen. Zum Beispiel Hooligans und HipHopper. In beiden Subkulturen sind viele Arbeiterkinder, trotzdem kaufen sie sich teure Kleidung. Bei den Hooligans sind das die jeweils angesagten Marken des Mainstreams (früher Chevignon und Blue System heute Chiemsee, Champion und Umbro), Bei den HipHoppern das, was als neuester Trend aus den USA kommt. Schaut euch mal die Preise für US-Import Klamotten an: Mittlere bis teure Preislagen!

Dieser Trend von proletarischen Jugendlichen, etwas zur Schau stellen zu können, läßt sich bis zu den Teds der fünfziger Jahre zurückverfolgen. Bei den Skinheads war es nicht anders.
Doch damit ist die Frage nicht geklärt, ob man sich als Skin heutzutage teure Markenware kaufen muß. Zum Teil ist die Frage schon durch die Vergangenheit beantwortet. Es gibt eben bestimmte Essentials die das Skinoutfit zu dem machen, was es ist. Angefangen bei den Dr. Martens Stiefeln (die immer noch billiger sind als die klobigen Rangers). Aber man sollte als intelligenter Skinhead auch nicht auf den Mode-Hype bestimmter Marken hereinfallen! Auch wenn in den letzten 30 Jahren Skins oft teure Klamotten getragen haben, muß man das heute nicht unbedingt nachmachen! Es gibt heutzutage eine Reihe von Einsparungsmöglichkeiten:

Einkaufstips

Pullis: Lonsdale ist ohnehin durch die Faschos total versaut, also lieber Pullis mit V-Ausschnitt oder Pullunder kaufen. ´69 wurde übrigens keine spezielle Marke gekauft (Fred Perry Pullis waren noch nicht so üblich). Einfarbige Wollpullis bekommt man schon für 15 bis 20 EUR (z.b. bei H&M).
Fred Perry Polohemden: Beim Schlußverkauf einfach mal in die Karstadt-Sportabteilung oder in die Tennis-Abteilung von Sportgeschäften kucken. Ab und zu gibt es da runtergesetzte Polohemden für etwa 15 bis 20 EUR von Fred Perry.

T-Shirts: Wie gesagt, Lonsdale ist eh total out seit dem Naziboom und dazu noch teuer. Also lieber n T-Shirt euerer örtlichen Punk/Oi!/Ska-Band kaufen. Wenn das keine Arschlöcher sind, kosten die Dinger auch nicht mehr als 10 EUR (Merke: Wer mehr als 15 EUR für ein T-Shirt nimmt, diskreditiert sich selbst). Auch einfarbige weiße T-Shirts gehen total in Ordnung, da kostet selbst ein Qualitäts-Shirt nicht mehr als 6 EUR.

Jacken: In Second Hand Klamotten Läden findet ihr oft billige Sheep Skin Mäntel (25 bis 40 EUR) und Levis Jeansjacken (15 bis 25 EUR).

Auch Armeejacken sind in Ordnung, wenn sie einfach oliv sind und nicht in einem widerlichen Camouflage Rambo-Muster. Haltet Ausschau nach amerikanischen und britischen Army-Winterjacken.
Bei Harringtons sollte man darauf achten, daß sie einen Metallreißverschluß haben, alles andere sieht nämlich mies aus. Die besten Harringtons habe ich bis jetzt nur in GB gesehen, sie haben eine Innentasche und sind aus besserem Stoff (Viele Billig-Harringtons sind wirklich nicht pogotauglich). Also beim nächsten Insel-Besuch: Augen auf!

Hemden: Ben Shermans sind zur Zeit auch in diversen Trendmode Läden zu finden, da sie in GB zur Zeit der letzte Schrei sind (u. a. wegen dem dortigen Mod-Revival). Sie kosten dort jedoch zwischen 45 und 65 EUR! Es decken sich nämlich neben uns Skinheads auch Techno- und House Anhänger damit ein (Ben Sherman schaltete in den späten 90ern sogar Zeit Anzeigen in deutschen Techno-Magazinen). Dasselbe gilt für Fred Perry, diese Marke ist zur Zeit auch im Dancefloorbereich angesagt. Aus diesen Gründen muß man lange suchen um in Deutschland günstige Ben Shermans zu finden. Es muß aber nicht immer kariert und Ben Sherman sein. Eigentlich reicht es, wenn das Hemd einen Button Down Kragen hat, eine linke Brusttasche, Rückenfalte und darüber einen Aufhänger. Natürlich sollte das Hemd auch nicht zu weit sein, sondern eher „slim-fit“. Solche Hemden bekommt man in guter Qualität in Second Hand Märkten oder auch neu im Sonderangebot (z.B. mal wieder bei H&M). Original Ben Sherman Hemden legt man sich am besten in England zu. Dort geht man aber nicht in die Gegend der Carnaby Street in London (wo man eh abgezockt wird), sondern versucht es in normalen Klamotten Geschäften oder sogar beim Herrenausstatter. Worauf ihr auf keinen Fall reinfallen solltet sind die mit „Ben Sherman“ bedruckten Sweatshirts und Polohemden, die seit der Mitte der 90er in einigen Skinklamottenläden gibt. Vor 1995 hat es nie solche Teile gegeben. Es ist also nicht besonders „traditionell“ oder „skinheadmäßig“ damit rumzulaufen. Auch Merc hat diese Sachen bis vor ein paar Jahren hergestellt, bietet sie aber inzwischen nicht mehr an. Apropos Merc. Bis Mitte der neunziger Jahre waren die in Lizenz produzierten Ben Sherman Hemden von Merc ziemlich mittelmässig (schlechter Stoff, zu kleiner Kragen). Inzwischen hat sich Merc echt gemausert. Unter dem Modelabel Merc werden jetzt jetzt hervorragende, schön eng geschnittene Button Down Hemden mit riesigem Kragen an angeboten, die sehr gut verarbeitet sind. Außerdem hat Merc auch prima Hemden mit großkarierten Mustern im Angebot, die – wie ein Kollege vom Shelter-Fanzine ganz richtig bemerkte – wesentlich skinheadmässiger sind, als die kleinkarierten. Leider sind die Merc Hemden arschteuer. Mein Tip: Öfter mal bei Ebay kucken.

Sta-Press Hosen: Original Levis Sta-Press gab es um das Jahr 2000 wieder in einigen Jeansläden zu kaufen. Werden jetzt leider nicht mehr hergestellt. Vielleicht erwischt ihr aber noch einen billigen Restposten. Ansonsten versucht es mal in einem Second Hand Markt.

Dr. Martens: Hier ist der Preisvergleich und langatmiges Suchen angesagt. Allgemein ist zu Dr. Martens zu sagen, daß sie immer teurer werden, seit in den frühen neunziger Jahren Neo-Hippies und andere Langhaarige sie für sich entdeckten. Inzwischen ist in diesen Kreisen ja sogar der Ranger-Stiefel in. Um dieses Pack modisch abzuhängen bleibt uns wohl nur ein Mittel: Wir rennen alle nur noch mit Brogues rum. Aber das dürfte einigen wohl zu spießig sein.

Fußballtrikots: Hier lohnt es sich nach Saisonende in den Sportabteilungen der Kaufhäuser nach Sonderangeboten Ausschau zu halten. Was während der Saison 40 bis 50 EUR kostete, ist im Ramsch schon oft für 15 EUR zu haben. Wie schon oben erwähnt, ist Ebay inzwischen zu einer guten und billigen Quelle für Skin-Klamotten geworden. Wenn man etwas Geduld hat und Zeit in die Suche investiert, kann man hier schöne Schnäppchen machen.Jeans: Es muß nicht immer Levis sein, auch Lee und Wrangler sind durchaus o.k. und oft billiger. Levis 501 bekommt man nach etwas suchen schon in einigen Gegenden für EUR 50,- zweite Wahl sogar schon für 40,- EUR. Auch das Stöbern beim Schlußverkauf kann zu Schnäppchenkäufen führen. In Second Hand Läden sind skinheadrelevante Markenjeans (oft original 60er Jahre oder frühe 70er) schon für 15 EUR zu haben.

Lustige Details

Zuerst zu den haarsträubenden Deutungen der Schnürsenkelfarbe, die ich im Laufe der Jahre in der Presse und in Fanzines lesen durfte oder die mir erzählt wurden:

Schwarz: Unpolitisch, Trauer um Rudolf Hess, S.H.A.R.P., Anarcho

Rot: Nationalistische Front, Redskin, Antifaschist

Gelb: I.R.A.-Sympathisant, Bullenmörder, Mörder

Weiß: White Power, Oi!, Unpolitisch

Blau: Alkoholiker, Idiot

Eine Vielzahl von Deutungsmöglichkeiten also. Was jeder daraus macht, ist dem persönlichem Gespür überlassen. Was Red- und Anarcho-Skins angeht, habe ich bis jetzt die verschiedensten Farben gesehen. Am verbreitetsten in Deutschland ist wohl Schwarz, gefolgt von Rot, Weiß liegt weit abgeschlagen auf dem letztem Platz. Erfahrungsgemäß hat man in Deutschland mit schwarzen Schnürsenkeln am wenigsten Ärger. Mit weißen oder roten Schnürsenkeln, steigt die Wahrscheinlichkeit auf Schläge jedoch überproportional an. In Frankreich laufen die meisten antifaschistischen Skins mit roten Senkeln rum. In Spanien dagegen hat die Farbe der Bomberjacken eine besondere Bedeutung. Schwarz ist dort den Faschisten vorbehalten, Grün ist die Farbe der S.H.A.R.P.- und Redskins. Das war hierzulande früher genau umgekehrt. Ich erinnere mich noch an den 15köpfigen Lübecker SHARP-Mob, der 1990 auf einer antifachistischen Demonstration geschlossen in schwarzen Bomberjacken auftauchte.Inzwischen hat, vor allem in den letzten Jahren, der Trend zur Schwarz-Uniformierung auch in deutschen Fascho-Kreisen zugenommen. Schwarze Bomberjacken und dunkle Donkeys werden in diesen Zirkeln immer beliebter. Grüne Bomberjacken werden inzwischen von allen Fraktionen getragen. Rote Bomberjacken galten Gerüchten zu Folge bei Berliner Redskins als Erkennungszeichen. Und siehe da, auf der letztjährigen Karl Liebknecht/Rosa Luxemburg-Demo waren doch einige kurzhaarige Genossen in diesen (häßlichen) Dingern zu sehen.

Auch das Tragen von Nationalfarben und Wappen als Aufnäher ist unterschiedlich stark verbreitet.Viele meinen ja, daß sie unbedingt den „Union Jack“ als Aufnäher tragen müssen. Aber ich glaube nicht, daß man sich mit der Fahne der imperialistischen Macht Großbritannien schmücken sollte. Leider gibt es auch in Deutschland eine Menge nichtrassistischer Skins, die sich mit dieser Flagge zieren. Wie wärs Leute, wenn ihr mal republikanische irische Skins oder englische Anti Fascist Action Skins fragt, was sie vom „Union Jack “ halten?! Damit will ich nicht sagen, daß alle Engländer, die den Union Jack tragen, rechts sind. Aber als intelligenter Skin sollte man fähig sein, nationale Mythen zu hinterfragen. In den U.S.A. trugen die meisten Skinheads in den achtziger Jahren das Stars & Stripes-Banner in Aufnäherform auf der Jacke. Auch viele S.H.A.R.P. Skins taten das (der Patriotismus in den USA hat aber auch nicht die völkische rechte Bedeutung, die er hierzulande hat. Trotzdem waren und sind viele Ami-Sharps extrem antikommunistisch). Anfang der neunziger Jahre lockerten sich in den USA die Sitten und antirassistische Skins trugen oft die Farben des Herkunftsland ihrer Vorfahren (auch total bekloppt, wenn ihr mich fragt). Andere verzichteten richtigerweise total auf den Flaggen-Quatsch. Aber die Ami Skins sind sowieso ein lustiges Völkchen: Einige tragen ja sogar Lederjacken.
Wappen auf den Jacken zu tragen ist ein eher europäisches Phänomen. In einigen Städten tragen fast alle Skins das Stadtwappen in Form von Aufnähern und Ansteckern, anderswo nahezu keiner.
Woher diese Sitte kommt, ist unklar. Jedoch gab es in den Achtzigern bereits viele Teds, Mods und Scooterists, die das jeweilige Stadtwappen zur Schau trugen. Meiner Meinung nach ist das jedoch überflüssiger Lokalpatriotismus-Firlefanz.

Das Tragen von Fußballschals erfreut sich seit Mitte der neunziger Jahre eines Revivals. Viele haben den Schal ihres örtlichen Vereins um, andere wiederum den eines Vereins mit überregionaler Beliebtheit (St. Pauli, West Ham, Celtic und andere Weltklasseteams).
Während hierzulande oft Linke Celtic Schals tragen (wegen der IRA und der Freundschaft St. Pauli-Celtic Glasgow), rennen anderswo die Nazis damit rum. Zum Beispiel in Spanien, wegen Keltentum und so. Auch kann das Tragen von Schals zu dummen Verwechslungen führen. Ein stadtbekannter Hamburger Spaßvogel zum Beispiel, wird ständig für einen HSV-Anhänger gehalten, weil er einen gleichfarbigen Schalke-Schal trägt.

Ein anderes Phänomen ist das Besticken von Jacken. In den achtziger Jahren besonders bei Hools und Scooterists beliebt. Viele ließen sich den Namen ihrer Crew auf die Vorderseite ihrer Jacke sticken. Einige hatten auch größere Schriftzüge auf dem Rücken. In Skinkreisen war dies auch bei einigen Fußballgängern beliebt. Teilweise rannten aber auch einige Skins mit Skincrew-Schriftzügen rum (Oi! Syke, Bootboys Hamburg). Andere wiederum hatten den Namen ihrer Lieblingsband auf die Jacken sticken lassen. Oder aber ihre hervorstechenden Eigenschaften: „asozial“, „streitsüchtig“.

Ein anderes modisches Accessoire sind Ringe. Manche geben sich mit häßlichen Biker-Totenkopf-Ringen zufrieden. Die Traditionalisten dagegen besorgen sich Siegelringe aus Silber, die sie gravieren lassen. Z.B. originellerweise mit „Oi!“. Den aufwendigsten Ring, den ich gesehen habe, war einer mit einer Trojan-Helm Einlegearbeit. Nicht grad billig, aber Aufsehen ist garantiert.
Bei den Faschos dagegen ist seit einigen Jahren der „Thorhammer“ als Halsgebaumel „in“. Zum Glück haben wir ja solchen irrationalen religiösen Mummenschanz nicht nötig. Aber leider rennen eine große Zahl „unpolitischer“ Oi-Dumpfbacken neuerdings auch mit den germanischen Hämmern herum. Viele Spackos haben ja seit einiger Zeit auch das Keltenkreuz als Schmuckstück entdeckt. Dafür gilt dasselbe wie fürs Hämmerchen.

Ein spaßiges Thema ist auch das zunehmende Piercing. Früher waren höchstens Ohrringe und vereinzelt mal Nasenringe zu sehen. Nun ist im Zuge der Piercing-Welle im Hardcore-Bereich auch das Durchstechen von Zunge, Unterlippe, Wange, Augenbraue etc. auf den Skin-Bereich übergeschwappt. Zuerst bei Skins aus dem HC-Bereich gesehen, breitet es sich jetzt auch bei Oi-Skins und sogar bei den Faschisten aus.

Anderes Thema: Hosehochkrempeln: Manche krempeln gar nicht, einige nach innen, andere nach außen, einige dick andere schmal. Es gilt hier die Faustregel: Je höher und dicker die Jeans gekrempelt wurde, desto jünger, bzw. peinlicher ist der Inhaber des Beinkleides. Ultrasmart ist es, die Hose unten aufzutrennen um so einen sehr schmalen, dünnen Krempelstreifen zu erzeugen. Randnotiz: zur Zeit sind bei hippen Twens (die Popmusik hören) weit und nur einmal umgekrempelte dunkelblaue Jeans en vogue.

Gute Lacher gibt es immer wieder beim Thema „Nicht skinheadrelevante Klamotten bei Skinheads“: Lustig ist z. B. immer wieder die beliebte Bauchbeuteltasche, die den Träger extrem verunstaltet.
Auch die Baseballkappe sorgt für Heiterkeit. Einige denken ja, nur weil „Lonsdale“ draufsteht, sind diese Dinger jetzt voll Skinhead. Nein, meine Herren, sind sie nicht.
Gut dumm sind auch immer wieder viel zu große, dicke Turnschuhe, mit denen sich einige erwischen lassen (Jetzt nichts gegen 70er Jahre Adidas Sneaker, die sind nämlich voll Terror on the terraces-mäßig).
Die Finger lassen sollte man auch von Bundeswehr-Hosen, die geben nämlich einen sehr unangenehmen Wehrsport-Einschlag. Völlig affig sind auch zu breite Hosenträger. Leute, wir sind nicht auf nem Trucker-Treffen!

Auf Ska-Konzerten sieht man manchmal picklige junge Männer mit Großvater-Hüten auf dem Kopf. Aber ein breitkrempiger Herrenhut macht noch keinen Pork Pie Hat, Ihr Döspaddel! Vor allem nicht, wenn der Hut braun oder lodenartig aussieht. Der ideale Pork Pie ist schwarz, hat eine sehr schmale Krempe und ein schwarzes Hutband!

So, das war mein kleiner Artikel über die Aspekte der Skinheadmode. Fühlt euch nicht angepißt, es ist nur meine bescheidene private Meinung zu einigen Detailfragen. Schließlich hat jeder seine eigenen Ansichten, was das Outfit angeht.

Käptn Schwarzkappe 

Editorischer Hinweis: ein Teil dieses Artikels erschien bereits vor
Jahren im Fanzine „Revolution Times“. Der Artikel wurde inzwischen mehrfach vom Autor aktualisiert.

Quelle: www.upsetter.de

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