RASH und die drei Pfeile

So, da haben wir Red and Anarchist Skinheads nun also ein ganz tolles Symbol, das alles das versinnbildlicht, wofür wir stehen! Darüber hinaus ist es äußerst schlicht und sieht – zugegeben – auch irgendwie ein bisschen martialisch aus. Genau so also, wie es uns gefällt! Und RASH-Eastcoast1 haben sogar noch die Entstehungshintergründe parat, die uns dieses Zeichen mit den drei Pfeilen noch viel angenehmer machen! So heißt es „The three arrows stand for Liberty, Equality and Solidarity…“2 Na, das ist es doch! Aber es geht sogar noch weiter: „…The three arrows originated as the logo of the German Rote Frontkämpfer Bund…“3 Bis hierhin ja schon eigentlich super genug, aber es geht sogar noch weiter. Denn nun wird noch erklärt, was der RFB eigentlich ist, nämlich: „…a radical anti-capitalist, anti-fascist paramilitary organisation formed by left Social-Democrats and Communists but made up of various socialists, communists and anarchists…“4

So nun sind wir durch! Und haben also alles in allem ein Symbol für uns entdeckt, welches uns geradezu auf den Leib geschneidert scheint, weshalb auch viele europäische RASH-Sektionen nicht zögerten, sich dieses Zeichens zu bedienen.

Allerdings hat diese ganze Erfolgsstory einen winzig kleinen Haken:
Sie ist nämlich von vorn bis hinten totaler Quatsch!!! (Schade eigentlich!)
Zunächst hätten es Kommunisten und Anarchisten in der Weimarer Zeit tunlichst vermieden, sich in gemeinsamen Organisationen aufzuhalten! Denn was die KPD als Mitglied der – von der russischen KP geführten – III. Internationale (KomIntern) von Anarchisten hielt, ist sehr schön in Lenins „Der ‚linke Radikalismus’, die Kinderkrankheit im Kommunismus“ nachzulesen. War also bereits dies undenkbar, so hätte darüber hinaus nie im Leben eine Organisation Bestand haben können, in welcher neben Kommunisten und Anarchisten auch noch Sozialdemokraten mitspielten!!! Aber um solche rein spekulativen Überlegungen soll es hier gar nicht gehen, denn diese 3 Pfeile sind mitnichten das Symbol des RFB5, sondern das der „Eisernen Front“, welcher dieser kurze historische Abriss gewidmet sein soll. Wenn allerdings von der „Eisernen Front“ die Rede sein soll, so werde ich nicht umhin kommen, auch das „Reichsbanner“ zu erwähnen, das die Gründung der „Eisernen Front“ maßgeblich forcierte.

Also ganz von vorn: Das „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund deutscher Kriegsteilnehmer und Republikaner“ wurde am 22. Februar 1924 – als Reaktion auf die Putschversuche der radikalen Rechten im Jahre 1923 – von Mitgliedern der SPD6 gegründet. Ziel dieses paramilitärischen Dachverbandes war es, Kundgebungen und Versammlungen der republikanischen Kräfte vor linken und rechten Störern zu schützen. Als Gründervater und erster Bundesvorsitzender tat sich der Arbeitermörder Friedrich Otto Hörsing hervor, der als Oberpräsident der Provinz Sachsen unter anderem für die Märzaktion der Schutzpolizei im Jahre 1921 verantwortlich war, welcher innerhalb einer Woche ca. 150 Arbeiter zum Opfer fielen.7

Das „Reichsbanner“, dem sich vor allem rechte Sozialdemokraten anschlossen, wurde ziemlich bald schon zum Ärgernis für die eigene Partei, da es mit seiner Bündniskonzeption die Klassengegensätze mit republikanischen Phrasen verkleisterte und sich in Inhalt und Form auf gefährliche Weise den rechten Konkurrenzorganisationen (Stahlhelm, SA, …) zu nähern begann. So wurde die „Volksgemeinschaft“ beschworen, dem Führerprinzip gehuldigt und sich der Pflege des Wehrsports und der Frontsoldatenkameradschaft hingegeben. Auch ein Bund der republikanischen Kleinkaliberschützenvereine wurde aus dem „Reichsbanner“ heraus gegründet. Ein wichtiges Teilziel der Organisation bestand außerdem darin, Begriffe wie „Nation“, „Vaterland“, und „Volksgemeinschaft“ nicht der extremen Rechten zu überlassen. Dabei sollte nicht etwa die Fragwürdigkeit dieser ideologischen Kampfbegriffe aufgedeckt, sondern mit deren Besetzung der extremen Rechten Konkurrenz gemacht werden. Im Übrigen neigte auch diese Organisation dazu, die rechte Gefahr – in Anbetracht der „Gefährdung von links“8 – zu verharmlosen. 1927 wurde Otto Hörsing wegen der Umtriebe ‚seines’ „Reichsbanners“ von der sozialdemokratisch geführten preußischen Regierung des Amtes eines sächsischen Oberpräsidenteni9 enthoben und 1932 sogar aus der Partei ausgeschlossen10 – Bundesvorsitzender des „Reichsbanners“/ der „Eisernen Front“ blieb er bis zum 3. Juni 1932. Als sich im Oktober 1931 die NSDAP, die DNVP (Deutschnationale Volkspartei) und der Stahlhelm zur Harzburger Front zusammenschlossen, initiierte das „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ die Gründung einer schlagkräftigen, republiktreuen paramilitärischen Organisation – am 16. Dezember vereinigte sich das „Reichsbanner“ mit dem ADGB (Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund), der SPD und kleineren Verbänden zur „Eisernen Front“. Die politische Führung oblag der SPD, wohingegen das „Reichsbanner“, dem die wehrtechnische Oberleitung zufiel, die Organisation dominierte. Diese „Eiserne Front“ wählte als ihr Symbol die bekannten drei Pfeile, welche nun aber eben nicht Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (oder Solidarität) bedeuteten, sondern ihre drei wichtigsten Gegner symbolisierten, nämlich die Nationalsozialisten, die Kommunisten und die „Adelskamarilla“. Müßig zu erwähnen, dass auch diese Organisation primär den Gegner auf der Linken bekämpfte. Zu einer Institution im Kampf gegen rechte paramilitärische Verbände wurde die „Eiserne Front“ nie. 

Und das soll nun also unser Symbol sein?!11 Dieses Symbol ist mit Füssen zu treten und zu bespucken!!!

Naja, ich trage es jedenfalls nicht!!!

 

black jack

1 Größte und bekannteste Rash-Sektion aus den U.S.A. redskins.fightcapitalism.net) Die folgenden Zitate sind deren Website entnommen.

2 Die 3 Pfeile stehen für Freiheit, Gleichheit und Solidarität.

3 Die 3 Pfeile entstanden als Logo des deutschen RFB (Kampforganisation der KPD).

4 Eine antikapitalistische, antifaschistische paramilitärische Organisation, welche von Kommunisten und linken Sozialdemokraten gegründet wurde, aber auch aus verschiedenen Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten bestand.

5 Das Symbol des RFB war schlicht die erhobene Faust.

6 Es waren auch Mitglieder des Zentrums, der DDP (Deutsche Demokratische Partei) und auch Gewerkschafter dabei, allerdings war deren Zahl verschwindend gering gegenüber 90% SPD-Mitgliedern.

7 Hunderte von Arbeitern wurden verhaftet, grausam misshandelt und von Ausnahmegerichten zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt.

8 Auch dies wieder ein Beispiel für die in der Weimarer Republik sprichwörtlich gewordenen Blindheit auf dem rechten Auge.

9 Die Provinz Sachsen gehörte damals als Verwaltungseinheit zu Preußen.

10 Das hieß auch damals schon was, wenn einer wegen rechter Umtriebe aus der SPD ausgeschlossen wurde!!!

11 Nicht zu vergessen die Rolle der SPD in der Weimarer Republik als Verräterin der Novemberrevolution, Mörderin von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg und tausend der anderer ArbeiterInnen usw. usf..

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