Oi! war, ist und bleibt politisch!!

Oi! ist Musik von der Straße. Oi! ist unsere Musik und so wie wir. Sie ist rauh, hart wie das Leben, aber ehrlich und kein Machwerk irgendwelcher Charthitfabriken. Oi! ist Musik von der Straße für Leute von der Straße. Sie ist so real wie das Leben. In den Texten unserer Heroes geht es um das, was auf der Straße passiert. Es geht um Gewalt, Liebe, Ehrlichkeit, Klassenjustiz, Zusammenhalt, Probleme wie Arbeitslosigkeit, Polizeirepression, Rassismus, Verarschung durch Politiker und Parteien.
 

Fälschlicher Weise gibt es da auch andere Auffassungen, Oi! sei einfach nur geile Partymucke, Oi! habe nichts mit Politik zu tun. Und Oi! wird immer wieder wie fast alles in dieser kapitalistischen Gesellschaft vermarktet und da ist es natürlich klar, dass man mit klaren (nicht nur politischen) Aussagen so manchem potentiellen Käufer auf die Füße treten würde. An Oi! trennen sich (nicht nur) in der Szene die Geister ebenso wie an den Themen Politik oder Homosexualität. Es haben sich nebeneinander verschiedene Ansprüche entwickelt und Ansätze zu verschiedenen Szenen. Das ist keine Spalterei, sondern Realität. Wo Unterschiede kaschiert werden sollen, werden diese nach einiger Zeit von alleine aufbrechen und das tun sie z.B. auch in Hinsicht auf Bands, ihre Musik, Texte und ihr Publikum. Gehe einer zu Konzerten von Attila oder Stage Bottles oder zu Konzerten von Rabauken oder Verlorene Jungs. Das sind Welten, allein schon jenseits der klar rassistischen Adolf-Jünger.
Oft genug wird in Interviews und in Texten von Oi! Bands betont, man sei anders, man sei rebellisch oder man lehne Führer und Parteien ab, brauche niemanden, der einem etwas vorschreibe, verachte die Autoritäten, etc. Lieder wie „2.000.000 Voices“ von den Angelic Upstarts, „One law for them, one law for us“ von den 4-Skins, „Violence in our minds“ und „Rebels with a cause“ von Last Resort oder „Oi! against Racism“ von den Street Troopers handeln davon, um nur mal einige zu nennen.

Oi! ist politisch, denn Probleme wie Arbeitslosigkeit, Polizeirepression oder Rassismus haben ihre Ursache in der Politik der Herrschenden in Politik und Wirtschaft. Und wenn Oi! solche Themen anspricht bzw. Texte über solche Probleme handeln, dann ist Oi! auch politisch und das ist auch gut so (denn wer soll diese Themen denn thematisieren und aus unserer Sicht darstellen außer uns? „Fürsprecher“ oder Experten, die wissen, was gut für uns ist, haben wir schon genug und brauchen wir eigentlich gar nicht!). Vielleicht nicht parteipolitisch oder einheitlich in seiner politischen Aussage oder Ausrichtung. Aber immerhin politisch. Und genau das ist der Unterschied zur Musik in den Charts, zu den zuckersüßen, teenagerherzenverzückenden Melodien von Take That, East 17, New Kids Under The Block, Tic Tac Toe, DJ Popo oder wie sie alle heißen oder hießen. Diese „Bands“, die zumeist nur aus schnucklig anzusehenden Vorzeigeboys und -girls bestehen, die auf der Bühne ihre Show abliefern, in sexy Kostümen rumhüpfen und den Mund zu den vom Band laufenden Texten bewegen, aber keine Musikinstrumente beherrschen, sind meist von Produzenten nach Verkaufs- und Marktkriterien zusammengewürfelt und Radiosender pushen die eine oder andere Band je nach Bezahlung. Da geht es nicht um gute Musik oder Texte, es geht darum diese Musik wie jedes andere Produkt auch zu vermarkten und dann zu verkaufen. Und so sind dann auch die Texte dementsprechend. Für die Teenager gibt es diese Bands, für die Älteren dann welche wie Phil Collins oder Pet Shop Boys und für unsere Großeltern Heino und Volksmusik. Je nach Zielgruppe variieren die Interpreten, was bleibt sind die gleichen nichtssagenden Texte. Und stets drehen sich die Texte um nichts außergewöhnliches, meist auf schnulzige Art und Weise um Liebe. Nur jeweils auf die zu manipulierende Zielgruppe zugeschnitten. Und manche Punk oder Oi! Band reiht sich inzwischen auch in diese Reihe ein, weil sie dem Publikum nichts Sensationelles geschweigedenn überhaupt etwas zu sagen hat. Die Message reduziert sich meist auf „Saufen, Ficken, Oi!“. Warum aber stets neue Auflagen von Songs mit dieser gleichen „Message“ entstehen, ist mir unbegreiflich. Das ist lediglich Unterhaltungsmusik im rebellischen Outfit, aber sie erfüllt ihren Zweck. Vorhandene Aggressionen werden im Alkohol ertränkt  und der letzte kritische Gedanke geht im „Ficken Oi!“und im Suff unter.

Kurz gesagt von dem oft erhobenen Anspruch „Rebels with a cause“ zu sein, ist oft nicht viel zu spüren. Dann kommen noch die Umdichtungen hinzu, Oi! sei unpolitisch. Über solche Märchen wie Oi! wäre das Erkennungszeichen der rechten Bewegung oder Oi! käme vom nationalsozialistischen Spruch „Kraft durch Freude“ (im Englischen „Strength through joy“) müssen wir hier gar nicht erst reden. Solcher geistiger Dünnsinn hat sich von vornherein selbst disqualifiziert, weil die Vorkämpfer solchen „Wissens“ meist soviel Ahnung von Oi! haben wie ich vom Blumenkranzbinden, denn es sind meist besserwissende Hippies und Menschen, die vorgeben alles zu wissen und doch nichts vom Leben wissen.

Auch in Matthias Maders Buch „Oi! The Book Vol. 1“ sind dementsprechend Anmerkungen enthalten. So bezeichnet er z.B. Combat 84 als „eine der kontroversesten Bands des demokratischen Oi! Spektrums“. Das ist für mich recht verwunderlich. Daß Combat 84 eher konservativ und pro-Thatcher waren, ist klar. Aber wie kann eine Band wie Last Resort, The 4-Skins oder The Blaggers als „demokratisch“ bezeichnen. Sie waren alles andere als systemkonform. Wer die Regeln dieser Gesellschaft nicht nur den Worten nach ablehnt, sondern auch in Taten gegen sie verstößt, ist bestimmt kein Systembefürworter. Combat 84 sagten „Wir wollen Politik und Fußball völlig von unserer Musik trennen!“ , sprachen sich aber dennoch für die Todesstrafe aus und ihr Sänger kam aus einer rechtsgerichteten Londoner Skin-Gang. Oder Close Shave z.B. deren einer Gitarrist bei ihnen ausstieg und Ende 1994 nur noch bei der Naziband Razor‘ s Edge spielte. Oder Another Man‘ s Poison, in deren Reihen Charlie Chields Gitarrist war und zuvor in der RAC-Band Grade 1 gespielt hatte oder ihr Sänger, der sich am St.George Day (britischer Feiertag der Nazis mit Konzerten, Demo, etc.) Nazibands ansah und Schweizer Hammerskins beherbergte. Man sprach sich z.B. im Pure Impact klar gegen linke Politik und Redskins aus, bewies aber wiedereinmal Offenheit gegenüber rechten Tendenzen. Das ist nicht „unpolitisch“, das ist unverhohlen rechtslastig.

Da haben Bands Songs wie „Fighting the system“ (Criminal Class) oder es gibt Label ähnlichen Namens. Geben sich rebellisch und proben doch nur den Aufstand im Rahmen dessen, was man ihnen als Narrenfreiheit zugesteht. Wie will ich gegen das System sein, ja es sogar bekämpfen, wenn ich mich auf seine Grundfeste berufe. Rebellion – nur eine Pose oder Mode? Nach den Vorfällen von Southall spielten Bands wie Blitz, Infa Riot, The Business oder The Partisans unter dem Motto „Oi! against Racism, against Political Extremism, but still against the System!“. Sham 69 spielte ebenso wie Infa Riot Konzerte für „Rock against Racism“ (RAR). Der Sänger von Infa Riot, Lee Wilson, sagte im Oktober 1982 im Sounds über Kritiker: „Nur wenige Leute haben mich wegen der „Rock against Racism“-Sache kritisiert, eine Minderheit. Sie mögen sich Fans nennen, aber ich möchte mit ihnen nichts zu tun haben. Wo sie ihre Ideen herbekommen, ist unglaublich. Erst sagen sie ‚Yeah, wir sind rechts‘, dann auf einmal ‚Klar, aber Anarchie‘. Wie können sie rechtsradikal sein und die Armee und Polizei hassen?“ Zu Street Politics bekennen sich Bands wie Angelic Upstarts, deren Sänger Mensi in den 80igern Kontakt und Diskussionen mit der britischen SWP hatte, seit Jahren AFA unterstützt bzw bei Red Action mitmachen soll. Heutige Bands wie Street Troopers oder The Oppressed unterstützen die Idee von SHARP und spielen Konzerte für AFA (The Oppressed) oder RASH (Street Troopers). In Spanien oder Italien unterstützen viele Bands Aktionen zur Verbesserung der Lage der Arbeiterklasse, Aktionen für inhaftierte (politische) Gefangene (z.B. Nabat für Mumia Abu-Jamal) oder gegen die Staatsmacht .

Oi! ist und bleibt unsere Musik und die ist und bleibt politisch!

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