[LE] Militanz statt Happenig – Legida und (k)ein Ende in Sicht

Volksdeutsche und Anständige im Ausnahmezustand
Seit nunmehr acht Wochen kommt der Rhythmus des alltäglichen Lebens in Leipzig ins Stocken. Wöchentlich zieht es zu Beginn der gewöhnlichen Arbeitswoche mehrere hunderte, anfänglich mehrere tausende, Personen unter dem lächerlichen Banner „Leipzig gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Legida) auf die Straße um die Tristesse des Alltags zu verschlimmern indem qua Rekurs auf eine vermeintliche Natürlichkeit von Menschengruppen hingewiesen wird und dessen Heiland im autoritären, starken Volksstaat herbeigesehnt wird. Flankiert wird dieses Gebären von einem obskuranten Wir-Gefühl und Opfer-Mentalität. Auf der Gegenseite findet sich mehrheitlich eine Ansammlung von staatstreuen Demokraten, die weniger an der Verhinderung als vielmehr am Gefühl der gemeinsam erlebten Verteidigung des so genannten „Geist von Leipzig“ (Thomas Feist) interessiert sind und mit viel Lokalpatriotismus ein falsches Bild des „weltoffenen und vielfältigen“ Leipzigs zeichnen. Kritik am staatlich legitimierten Normalvollzug mit all seinen Staatsbütteln und Gesetzen hört man vergebens – vielmehr fleht man darum, eben diese nun zur Verhinderung des Gegenspielers einzusetzen statt auf selbstbestimmte Aktivität ohne Nachfrage zu setzen. Als dritte Kraft in dieser Gemengelage agiert nun noch der Teil eines autonomen Antifaschismus, welcher zurecht auf Regeln und Gesetze der „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ verzichtet und mit Vaterlands- bzw. Stadtliebe nur Hass verbindet. Doch auch hier machen sich Risse seit Anbeginn der Proteste bemerkbar und vieles lebt mehr vom Schein vergangener Tage als vielmehr von deren praktischer Umsetzung. Zeit genug also für eine Bestandsaufnahme.

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