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Offener Brief vom ehemaligen Bassisten von Artifical Eyes zur Grauzonendebatte

b_150_92_16777215_00_http___s1.directupload.net_images_120703_sa3xxpan.jpegWir dokumentieren als RASH Berlin-Brandenburg das folgende Statement (konkret geht es um verschiedene Kuschelbilder von 2 Bandmitgliedern der Stage Bottles auf dem diesjährigen Riverside Stomp Festival in Mainz mit einem Bandmitglied von Stomper 98 - siehe). In Folge dessen ist davon auch das relative neue Bandprojekt Artifical Eyes betroffen. Außerdem hat sich die Redskinband United Struggle aufgelöst, da es auch hier zu einem gemeinsamen Photo mit Stomper 98 Bandmitglied Lars zusammen mit einem Bandmitglied von United Struggle kam. Aber lest selber...:

"Hab mir eigentlich vorgenommen, die Schnauze zu halten bezüglich dieser ganzen unsäglichen Fotoaktion und dem Brimborium drumrum und stillschweigend meine Konsequenzen draus gezogen- den Ausstieg aus Artificial Eyes. Da ich der Überzeugung bin, daß ich meine durchaus berechtigten Erklärungen in der Vergangenheit zum leidige Thema Grauzone eh nur für die Katz geschrieben habe und in Zukunft schreiben würde- weil zum einen die Profiteure wie M.A.D., Contra, Spirit from Wasweißich und sonstige skrupelferne Szeneidentitätseinzelhändler irgendwo ja sowieso nen feuchten Scheiß auf moralische Einwände geben solange nur die Kasse anständig klingelt, zum anderen die (in mehrerlei Hinsicht) breite Konsumentenmasse der gerade eben Erwähnten vermutlich intellektuell restlos überfordert sind: selten hat es wer so gut und treffend formuliert wie „Total Verboilt“ in ihrem Smash Hit „Unpoliddisch“: (…) stolz auf meine Bildungsferne (…). Aber wenn ich solch hahnebüchenen Unfug höre wie z.B. : „(...) die Diskussion einen Grad erreicht hat, bei dem ich nicht mehr schweigen kann (...)“, dann kann ich das auch nicht mehr. WTF soll das denn heißen? Etwa, daß bei dem Teil der linken Seite, die sich mit dem Thema intensiver beschäftigt hat als der Rest, die Bereitschaft langsam auf dem Level angelangt ist, alles was mit Oi! zu tun hat, kaum noch mit der Kneifzange anzufassen? Mal n Kopf drum gemacht, warum das so ist? Wißt ihr nicht? Ich sags mal mit Klaus: macht nichts, erklär ich euch:

Da gibt es zum Einen mal die Fraktion der uneinsichtigen Trotzköpfchen: so pubertär das sich jetzt auch erstmal anhören mag, die Sache geht etwas tiefer.
Permanent kriegt man da z.b. den Vorwurf um die Ohren gehauen, daß ja eh alles ein und dieselbe Soße sei, Stichwort „gegen Nazis sei man ja auch, Linke möge man allerdings ja auch oder erst recht nicht.“ Kulminationspunkt wo mir dann der Arsch platzt, ist dann fast immer der Terminus „rechte und linke Faschisten“: Alter Schalter, das ist sone Frechheit, daß mir glatt der Draht aus der Mütze springt, zumal ich anmerken möchte, daß das auch immer dann auftaucht, wenn sich Fraktion „Graue Mitte“ in linke Zusammenhänge, Veranstaltungsorte etc.- eben in explizit linke Strukturen im allgemeinen einzecken will. In diesem Falle gibt’s einfach nur eine adäquate Vorgehensweise und diese mag vielleicht dem Einem oder Anderen etwas altmodisch vorkommen: Wir sind keine soziale Einrichtung für die Mitte oder ne ehrenamtliche Bespaßungsmaschinerie für Leute, die uns unterm Strich nicht mögen, ja, auf alles scheißen, wofür wir einstehen- wir sind eine Gegenkultur, die auf klar definierten linken und revolutionären Fundamenten fußt. Tut mir leid, aber da gibt es aus meiner Sicht ein herzhaftes „Fuck off!“ oder für bildungsferne subkulturelle Parasiten, die des Englischen nicht mächtig sind: „Verpißt euch!“

Dann gibt es auch noch diejenigen, die ich hier mal metaphorisch unter die sogenannten Wirbellosen- kein Rückgrat- einordne. Das sind solche, die gerne bei uns mitspielen würden, es sich aber auch mit dem rechten Rand nicht versauen wollen. Nun, Leuten, die sich alle Optionen offen halten wollen, hab ich noch nie übern Weg getraut und ich denke, daß ich das hier auch nicht weiter begründen muß- die Paradigmen sollten wohl klar und für jeden verständlich sein. Ich empfehle an dieser Stelle einfach mal den Konsum zweier Songs aus dem Repertoire unserer Gegenkultur: 1.) Billy Bragg- Dreadful Cliffhanger und 2.) The Special AKA- Racist Friend. Tut mir leid, aber da gilt nun mal unumstößlich: Hü! oder Hott!- beides zugleich geht nicht. Zieht nen Schlußstrich unter den Kontakt nach rechts und laßt euch nen Arsch wachsen, dann können wir uns vielleicht nochmal auf ne Vase Bier und ein ernsthaftes Gespräch zum Thema treffen.

Dann gibt es die Geschäftemacher mit graduell unterschiedlicher Skrupellosigkeit: diesen miesen Kreaturen ist alles scheißegal, solange nur das Geld stimmt. Manche davon gehen in ihrer widerlichen Kackdreistigkeit sogar so weit, explizit linke Veranstaltungsorte unter Druck zu setzen, ihren Scheiß auf die Bühne zu bringen, ihre wirtschaftliche Machtposition aufs Mieseste auszuspielen. Ich muß wohl auch nicht näher erläutern, warum diese am besten der Blitz beim Scheißen treffen soll, da immerhin sie in nicht unbeträchtlichem Maße daran schuld sind, daß heutzutage ein junger Nachwuchspunk oder -skin mit Grauzonenmüll in Kontakt kommen und sich dabei trotzdem auf der guten Seite wähnen kann- wird schon o.k. gehen , die Alten leben es einem ja vor. Ich werde an dieser Stelle keine Namen nennen, sondern einfach mal die altbewährte Redenswendung ins Spiel bringen, die sich um passende Schuhe und das Anziehen derselben dreht. Ich denke, man wird mir da abstrichslos beipflichten: das ist unfraglich die widerlichste und unterirdischste „Lebensform“ in diesem Kontext- sowas gehört einfach mal an die Wand gestellt. Wo ist die verdammte R.A.F., wenn man sie mal wirklich braucht...

Schlimm ist nur, daß sich immer auch nen ganzer Haufen korrekter Bands (ihr wißt zumindest von einer Combo sehr genau, wen ich meine) von diesen Wichsern benutzen lassen, sei es nun aus hehrem Anspruch oder bloßer Planlosigkeit: ihr reißt bei solchen Veranstaltungen garnix, man benutzt euch als Feigenblättchen/Legitimation und lacht sich hinter eurem Rücken ins Fäustchen. Na gut, is euer Ding und nicht meins, aber wundert euch bloß nicht, wenn euch dann irgendwann in klar definierten linken Zusammenhängen der Weg zur Tür gezeigt wird. Ist mir dann auch echt Wumpe- kommt aber nicht zum Jammern vorbei, wenn solche idiotischen Nummern in die Hose gehen.
Kotzen hätte ich allerdings können, als ihr dieses Jahr beinahe Mensi ins P&D gedrängt hattet und Roddy daraufhin verständlicherweise wg. Schulterschluß der kläglichen Reste der AFA England/No Retreat die Teilnahme an der Gegenveranstaltung abgesagt hatte. Bei sowas ist dann Schluß mit lustig, dann wird das in meinen Augen offen konterrevolutionär und ihr stellt euch klar auf die Seite des Gegners. Aber so weit kam es ja gottseidank nicht. Na, wie denkt ihr sieht das für nen noch planlosen jungen Punkrebellen aus? Ich bezweifle sehr stark, daß sowas zu ner vernünftigen Entwicklung beiträgt.

Das gibt mir auch gleich die Überleitung zum nächsten Typus dieser Schmierendarbietung: Den jungen ungefestigten Nachwuchs. Unfraglich das tragischste Opfer in diesem Kontext, muß man sich drum kümmern, aufklären und vor allem pädagogisch vorsichtig damit umgehen. Das hab ich in der Vergangenheit auch in jedem mir persönlich vor die Augen kommenden Fall getan. Ob das nun in jedem Fall erfolgreich war, wird die Zeit zeigen- bei einigen hat das hervorragend funktioniert, andere sind nach jahrelanger Betreuung trotzdem zum Nazi mutiert. Egal, jedem eine Chance, egal ob Einzelperson oder Band, will heißen, man kann auch ein, zwei mal aus Versehen mit Scheißbands zusammen spielen, dann ist aber auch mal Schulz: drüber hinausgehend muß man sich dann durchaus den Vorwurf überhelfen lassen, einen Scheißdreck auf Anstand und Moral zu geben, der Informationspflicht nicht nachkommen zu wollen etc.pp. Geduld ist nun mal endlich und wenn sie überstrapaziert wird: macht doch, was ihr wollt. Aber nicht bei uns.

Zuletzt gibt es noch die, die sich jahrelang durchschlängeln und damit super fahren. Zum Teil Bands, die sich geläutert geben, jedoch mitnichten auf ihren gut eingeführten Namen verzichten wollen, weil er sich ja so gut verkauft, auch wenn- dahingestellt, ob vorgeblich oder real- ein politischer Kurswechsel vorliegen mag: Paradebeispiel Onkelz, Frei.wild, etc.pp. Auffallend in dieser Liga ist oftmals eine arrogante Verweigerungshaltung in Bezug auf inhaltliche Einlassung auf die anliegenden Vorwürfe, die gerne mit geradezu pathetischen, oft schwülstig verschwurbelten Statements einhergeht, die, wie gerade schon erwähnt, mit keinem Wort jemals auf die konkret anliegenden Vorwürfe eingehen. Daneben spielt man weiterhin am laufenden Band mit Scheißcombos auf den gleichen Veranstaltungen wie z.b. Stomper aufm Templars-Jubilee mit Wichsern wie Patriot. Da will man es sich offensichtlich auch nicht mit seinem früheren Klientel versauen. Wie, klare Aussagen habt ihr nicht nötig? Na dann tschüß, die Herren (und optional auch Damen)- wir haben euch auch nicht nötig. Macht euer Ding, meinen Segen habt ihr- aber nicht bei uns. Bottom Line.

Und es gibt natürlich noch die echten rechten Entristen mit dem Masterplan der Unterwanderung/Spionage von rechts. Wird als gesamte Band nicht vorkommen- zu anspruchsvolles und daher extrem schwieriges Projekt, aber wer weiß sowas schon vor der Enttarnung- aber mehr als dubiose Einzelpersonen in fischigen Combos sind m.e. mehr als genug unterwegs.

So, lieber Marcel, nun kannste dir aussuchen, wo du Lars/Stomper, das P&D oder meinetwegen auch dich selbst/die Bottles verorten möchtest. Ich für meinen Teil denke, daß ist jetzt mal Highest Railway endlich mal Nägeln mit Köpfen zu machen und mal klare Trennungsstriche zu ziehen. Doof rumgelabert wurde seit dem Auftauchen des roten Hetzpamphlets mehr als genügend, die Luft müßte eigentlich schon fast bersten vor hohlem, inhalts- und vor allem folgenlosen Geschwätz. Wo bleiben Taten und Konsequenzen? Ich weigere mich langsam, „den Menschen“ hinter all denen zu sehen, die betroffen, intelligent und alt genug sein dürften, die Konsequenzen ihres (Nicht-) Handelns absehen zu können und dann eben auch tragen müssten, ohne die ewiggleiche larmoyante Leier abzuspulen, die nicht nur mich absolut zur Weißglut bringt. Nen Fehler machen ist ein Ding und entschuldbar, aber wenn die gleichen Fehler am laufenden Band passieren, dann ist entweder gehörige Blödheit am Start oder es steckt n Plan dahinter. Und dann ist einfach mal Ende der Fahnenstange, Verständnis und Toleranz haben nun mal auch ihre Grenzen und diese sind nach meinem Dafürhalten längst überschritten.

Für klar definierte Trennungsstriche.

Gegen Wendehälse und Opportunismus.

Für ne halbwegs aufgeräumte moralisch integre Szene.

Und tschüß.
Hansi"

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