Entstehung von RASH

1. Januar 1993: ein bewegender Tag für die antifaschistische Skinheadbewegung weltweit: Linke Skinheads aus NEW-York-City, auch als Mayday-Crew bekannt, gründen RASH, ein internationales Netzwerk roter und anarchistischer Skinheads. Das war kein einfacher Schritt in diesen Tagen, weil klar war, dass es zu einer Gegenreaktion durch faschistische Infiltration und rechtsextreme Kräfte innerhalb der Skinheadszene kommen würde. Kommunikation wurde auch wesentlich erschwert, da das Internet kaum verbreitet war und wer zur Hölle besaß schon eine e-mail-Adresse? Langsam aber sicher gelang es, durch Anzeigen in Fanzines und linken Zeitungen und vor allem durch Mund-zu-Mund Propaganda Kontakte mit anderen linken Skinheadgruppen zu knüpfen, wie z.B. in Ottawa, Minneapolis, Chicago, Cincinnati und Montreal. 

Durch ihre Unterstützung konnte das RASH-Netzwerk realisiert werden. Als Reaktion auf den Aufruf zur Gründung eines solchen Netzwerks bildeten sich auch Zusammenschlüsse in anderen Ländern (Kolumbien, Deutschland, Italien etc). Mittlerweile hat sich RASH über Nordamerika, Südamerika, Asien, den mittleren Osten, Europa, Australien und die Karibik ausgeweitet. Somit ist RASH ein internationales Netzwerk, welches sich im Prozess der Neuorganisierung begreift, während überall in der Welt neue Gruppen entstehen…RASH ist ein an der Straße orientiertes Netzwerk von linken und antifaschistischen Skinheadgruppen und ihren Anhängern, welches rote und anarchistische Punks, Mods, Hardcorekids, rude boys and rude girls und Hooligans miteinbezieht. Manche mögen die Einheit zwischen Roten und Anarchisten hinterfragen, aber RASH ist eine antiautoritäre Organisation, die für alle Skinheads mit radikal linken Ansichten offen ist, unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung. Wir organisieren den Kampf gegen unseren gemeinsamen Feind: den Staat, den Kapitalismus und seine faschistischen Knechte. Wir sind gegen alle Formen von Unterdrückung und Rassismus und versuchen den Staat durch Klassenkampf und durch den Kampf an unseren Arbeitsplätzen, auf den Strassen oder/und Freundeskreisen abzuschaffen. Der einzige Krieg, der es für uns wert ist geführt zu werden, ist der Klassenkampf. Jeder andere Krieg finanziert nur die Bosse, welche die Wirtschaft kontrollieren und uns dadurch im kapitalistischen System gefangen halten.In diesem Selbstverständnis werden unter anderem folgende Punkte als Grundlage für das politische Selbstverständnis von RASH aufgeführt:

  • -ein Ziel ist es, den Mythos des rassistischen Skinheads in den Medien und in der öffentlichen Wahrnehmung zu zerstören.
  • -Die »echte« Skinheadsubkultur soll lebendig gehalten und verbreitert werden, insbesondere durch Musik (Oi, SKA, Soul, Hardcore, Streetpunk, Reggae, Rocksteady …), Flyer, Fanzines, Konzerte, Partys, Demos, Klamotten…
  • -Wir wollen Freiräume für linksradikale Ideen schaffen bzw. erhalten, um diese in der Skinheadszene zu verbreiten. Gerade in Berlin bieten sich dafür zahlreiche Möglichkeiten: Wir können beispielsweise Kampagnen wie in Lichtenberg zur Schaffung eines autonomen Jugendzentrums unterstützen, noch bestehende und von Räumung/Verkauf bedrohte Freiräume wie die Köpi (notfalls auch mit militanten Mitteln) verteidigen und diese Freiräume und Infrastrukturen dann mit unseren politischen Inhalten ergänzen.
  • -Wir machen es uns zur Aufgabe, extrem rechte Ideen, aber auch Stammtischrassismus in der Skinheadsubkultur politisch und militant zu bekämpfen und alle rassistischen Infiltratoren und Boneheads aus unserer Szene rauszuschmeissen. In Berlin muss dabei vor allem der Querfrontansatz thematisiert werden. Aussteigerprobleme und scheinbar unpolitische Oi-Skins, die in der Realität jedoch rechtes Gedankengut verbreiten und auch bei rechten Aktionen mitmachen sind für uns kritisierungswürdig. Uns ist es wichtig, den Nazi-Skins ihren Nährboden zu nehmen, also RechtsRock (RAC)-Bands, rechte Klamottenläden, Label- und Ladenbetreiber öffentlich zu machen und zu bekämpfen.
  • Deswegen boykottieren wir alle Bands, Läden und Fanzines, die rechte Propaganda tollerieren, unterstützen, veröffentlichen oder verkaufen.
  • -Wir solidarisieren uns mit allen Opfern nazistischer, rassistischer und antisemitischer Übergriffe.
  • -RASH verfolgt außerdem das Ziel, eine Verbindung zwischen den Jugendlichen, der Arbeiterklasse, der multikulturellen Skinheadszene und linken Ideen herzustellen und zu propagieren.
  • -Die Organisation einer körperlichen Verteidigung unserer Szene und all unserer Freunde ist uns wichtig. Damit schützen wir uns vor Attacken von all denjenigen, die uns als ihre Feinde betrachten. (Natürlich insbesondere Nazis, Rassisten, deutscher Mob, Bullen, Staatsschutz…)
  • -Wir wollen als eine aktive und organisierte Kraft der antirassistischen Skinheadszene an Aktionen der radikalen Linken und der antifaschistischen Bewegung teilnehmen. Wir besuchen also Demos , unterstützen Kampagnen, machen eigene Aktionen, besuchen Veranstaltungen und bilden uns politisch. Somit begreifen wir unsere Arbeit als ein Zusammenspiel aus theoretischen und vor allem praktischen Elementen.
  • -Langfristig gesehen versuchen wir zu gewährleisten, dass unsere Vision der antifaschistischen radikalen Linken bestehen bleibt bzw. sich weiter entwickelt.
  • -Wichtig ist uns, jede Form von Autonomie (auch die finanzielle!) gegenüber aller Parteien und Organisationen zu behalten.
  • Dennoch koordinieren wir uns mit anderen antiautoritären, linken und antifaschistischen Gruppen

Ein klassisches Oi!-Motto: »Having a laugh and having a say!«

Progressive, linke Politik soll wieder im Mittelpunkt der Skinhead-Szene stehen. Deswegen organisieren wir verschiedene Aktivitäten, wie die Herausgabe eines Newsletters bzw. eines Fanzines. In diesem informieren wir in regelmäßigen Abständen über aktuelle politische Themen, z. B. über Sozialkahlschlag, Globalisierung und Rassismus. Platten- undBücherkritiken sind genauso Inhalt des Fanzines wie Demoaufrufe und aktuelle Termine. Auf den subkulturellen Teil legen wir ebenfalls großen Wert: Wir stellen regelmäßig Musik aus der Skinhead– und Punkrockszene vor und interviewen Bands, denn für uns ist Musik immer noch eines der besten Mittel politische Inhalte in komprimierter Form zu verbreiten.

Um Leute für linke Politik zu gewinnen und zu begeistern, veranstalten wir deswegen auch regelmäßig linke Konzerte. Das aktuelle politische Geschehen ist uns ebenfalls wichtig und wir möchten unseren Teil dazu beitragen. Aus diesem Grund unterstützen und organisieren wir politische Veranstaltungen, wie Demos oder Infoveranstaltungen.

No war but classwar!
Gegen Kapitalismus!
Gegen Faschismus!
Für die soziale Revolution!

(Sub-)Kultur und Widerstand – wie ist das möglich?
(Aus dem Kultur und Widerstand-Konzept der Antifaschistischen Aktion München 1998)

»Nur wenn es uns gelingt, eine linke kulturelle und basispolitische Alternative zum rechten Mainstream wieder breiter zu etablieren, haben wir eine Chance, die kulturelle Vorherrschafft der Nazis und damit ihrer Formierung wirklich zu brechen. Dafür aber braucht es langfristig vor Ort angelegte Strukturen, die es, zusätzlich zur Bekämpfung von Aufmärschen und anderer Auswüchse faschistischer Politik, aufzubauen und zu unterstützen gilt. Unabhängiger antifaschistischer Widerstand und linke Subkultur (bzw. Gegenkultur) können nur entstehen und sich weiterentwickeln, wenn die nötigen Freiräume dafür geschaffen, erhalten und gesellschaftlich verankert werden.
So darf sich eine linke politische Gegenkultur nicht alleine als Antikultur verstehen, sondern muss darüber hinaus gehen und eigene politische und kulturelle Ideen entwickeln und diese auch propagieren! Kultur muss sich in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext sehen, muss auf gegenwärtige Ereignisse eingehen, und immer wieder den Versuch der Klärung unternehmen und Stellung beziehen! Kultur muss neben Spass, Freude am Leben und der ihr eigenen Ventilfunktion auch eine politische Identität vermitteln! Kultur muss kollektives Handeln propagieren! Nicht der einzelne ist der Nabel der Welt, sondern der gemeinsame kollektive Prozess ist der Schlüssel zu gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen!

Wer die kulturell relevanten Brennpunkte inhaltlich bestimmt und kontrolliert (= kulturelle Hegemonie nach Antonio Gramsci), wird es leichter haben in einem gesamtgesellschaftlichen Rahmen zu agieren um dort Einfluss auszuüben, denn vor allem durch den kulturellen Bereich lassen sich Lebensgefühl und Politisches perfekt miteinander verbinden!«

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