Ein kurzer Rückblick auf ein Jahr Pharao-House-Crash-Forum

Anfang 2004 wurde das pharao-house-crash-Forum kurz phc-Forum von verschiedenen Initiativen aus dem Skinheadbereich ins Leben gerufen, um der kleinen linken Skinheadszene hierzulande eine Plattform für Diskussionen und Vernetzung zu bieten. Das phc ist ein Projekt, welches mittlerweile vom Underground Network, dem Melodies of War Fanzine, Mad Butcher Records, Conehead Records, Fire and Flames Mailorder und RASH Berlin/Brandenburg unterstützt wird.

Das phc-Forum soll ein Diskussionsforum für traditioneller und linker Politik in ihren verschiedenen Erscheinungsformen nicht abgeneigte Skinheads bieten. Aus der resultierenden stärkeren Vernetzung unserer kleinen, aber feinen Szene wird eine Stärkung der selbigen erhofft, was der Szene direkt in Form von Allnightern, Konzerten, Reisen, gemeinsamen Demos, Treffen beim Fußball und ähnlichem zugute kommt.

Wer sich an diesem Forum beteiligen möchte ist dazu herzlich eingeladen, wenn er/sie u.a. die auf der Anmeldeseite unter www.pharao-house-crash.tk stehenden Regeln akzeptiert und beachtet. Dies ist leider notwendig, da es aus Erfahrung gerade in der Skinheadszene immer wieder rassistische, antisemitische, nationalistische, NS-relativierende, sexistische und homophobe Äußerungen gab und gibt. Wer nach diesem Artikel wirklich Lust bekommen haben sollte an diesem Forum mitzuwirken, soll sich die Anmeldeseite einfach noch mal selbst in Ruhe zu Gemüte führen, da ich euch hier nicht mit irgendwelchen Verhaltensregeln nerven möchte…

Erfreulicherweise ist im Rückblick auf jeden Fall festzuhalten, dass das phc-Forum erstaunlich großen Zuspruch in der Szene erfährt. Die Mitgliederzahlen des Forums haben sich momentan bei um die 200 eingependelt, wovon etwa ein Drittel bis 50% regelmäßig und aktiv mitdiskutiert.
Das Forum ist klar und übersichtlich strukturiert, so dass es eigentlich auch für unerfahrenere Internetnutzer in der Anwendung kein Problem darstellen dürfte.

Es gibt diverse Unterforen in denen Ihr euch nach Lust und Laune einbringen könnt, je nach dem beispielsweise, ob Ihr gerade mehr oder weniger Bock auf Politik, Szenegelaber, Fußball oder sonstiges habt. Bei den einzelnen Unterforen handelt es sich konkret um folgende Bereiche: Allgemein (u.a. Kultur, Szene, Vorstellung), Musik (von Reggae, Rocksteady, Ska über Punkrock, Hardcore, Oi bis hin zu Soul und Beat ist alles vorhanden), Politik (Antifa, Globalisierung, RASH, Theorie, Solidarität…), Ankündigungen (Fanzines, Label, Mailorder), Fussball (Vereinsmeierei und 3.Halbzeit), English Talk und einen internen Administratorenbereich.

Das Forum ist offen und hierarchiefrei gestaltet, so dass Jeder/Jede die Möglichkeit besitzt auch eigene Threads/Forenstränge zu eröffnen. Das Diskussionsklima gestaltete sich aufgrund der teilweise  doch sehr unterschiedlichen Teilnehmer/Innen – von Traditional- und Smartskins, Suedheads bis hin zu Red and Anarchist Skinheads (RASH) und Skinheads Against Racial Prejudices (S.H.A.R.P.) und auch SoulanhängerInnen, Rudeboys und Rudegirls und auch nicht glatzköpfigen Menschen manchmal etwas rau, insgesamt jedoch herzlich, mit einer doch angenehmen Diskussionskultur. Und wenn mal zu heftig gegen die Diskussionsregeln verstoßen wird, dann wird durch die Administratoren bzw. das Ministerium für Forensicherheit auch schon mal härter durchgegriffen und der eine oder andere ermahnt und im schlimmsten Fall auch aus dem Forum verwiesen… Alles in allem jedoch hart, aber gerecht!

Meinerseits finde ich es super, dass es endlich auch in D-Land eine Möglichkeit gibt mit Gleichgesinnten einen kontinuierlichen Diskussions- und Austauschprozess zu führen. Anfangs war ich noch sehr skeptisch, ob es überhaupt genügend Leute für ein solches Projekt geben würde, da die linke Skinheadszene in D-Land in Vergleich zu Redskin und SHARP-Hochburgen wie beispielsweise in Spanien, Italien und Frankreich, doch eher sehr marginal(isiert) ist – doch mittlerweile bin ich absolut davon überzeugt, dass es auch im deutschsprachigen Raum (D-Land, Österreich und Schweiz) durchaus ein Potential für eine linke Skinheadbewegung gibt, dass auch auf- bzw. ausbaufähig ist… An diesem Punkt bewirkt das Internet wieder einmal Wunder, in dem bisher vereinzelte Menschen aus der Skinheadszene zueinander finden und sich vernetzen und austauschen können. Die ein oder andere virtuelle Bekanntschaft im phc-Forum hat sich im Laufe des Jahres auch in der Realität umsetzen lassen können.

Teilweise finden über das phc-Forum Leute zusammen, die dann auch beginnen konkrete Projekte tatkräftig in die Realität umzusetzen. Beispielsweise kann man mittlerweile direkt von einem kleinem Fanzine-Boom sprechen: Pressure Drop, Don´t touch me tomatoe, Melodies of War, Skinheads Red&Black, The Conqueror, Mafiatanz, Voice of Culture, Banana Fanzine… Auch an Soundsystemen und Djs mangelt es nicht mehr ganz so arg und auch im Label/Versand-Bereich sind mit Fire and Flames und Mad Butcher Records zwei etablierte Größen vorhanden, die die hiesige linke Skinheadszene auch mit gutem Zoig aus dem Ausland versorgen. Sogar revolutionary-Klamottenstuff ist auf der linken Skinheadseite mittlerweile keine Seltenheit mehr…

Besonders erfreulich ist aus unserer RASH Berlin-Brandenburg- Sicht natürlich, dass es mittlerweile in mehreren Städten/Bundesländern in D-Land Ansätze zu lokalen/regionalen RASH-Crews bzw. Zusammenschlüssen von linken Skinheads gekommen ist bzw. kommt, so gibt es mittlerweile RASH Nord, RASH NRW, RASH Süd (auch wenn ein anderes Label in Zukunft geplant ist) und RASH Mittelhessen. Das soll nicht darüber hinweg täuschen, dass das alles trotzdem immer noch sehr klein und marginal ist – aber es ist zumindest im kleinen eine positive Entwicklung in die richtige Richtung. Wenn man dann noch sieht, dass auch auf musikalischer Ebene RASH- oder Redskinbands wie Los Fastidios, Banda Bassotti und Brigada Flores Magon (um hier nur mal die bekanntesten zu nennen) hierzulande immer häufiger touren und auch immer beliebter werden, dann lässt dass doch auf Besserung hoffen.

Letztendlich scheint sich auch noch in der Naziszene die Einsicht herumgesprochen zu haben, dass die Skinheadkultur von Ihren Wurzeln her eher schwarz als weiß ist. Somit rennen immer weniger Boneheads/Nazis im Skinheadstil herum, was für uns nur bedeuten kann da noch aktiver und engagierter in der Szene gegen zu arbeiten…

Schön wäre es natürlich, wenn sich da auch im Bandbereich in D-Land noch ein bisschen mehr entwickeln würde und es neben alten Größen wie den Stage Bottles oder den etwas jüngeren Scrapy, mehr junge antifaschistische Skinheadbands wie die Freiboiter aus Stuttgart geben würde… Aber vielleicht findet da ja auch noch der eine oder andere über das phc-Forum zu einer neuen Band zusammen…

Ansonsten ist es schön zu sehen, dass es im phc-Forum alles in allem möglich ist, dass dort so unterschiedliche Leute größtenteils konstruktiv miteinander diskutieren und man das ein oder andere was Politik, Szene, Fußball oder/und Musik betrifft voneinander lernen kann. Ich betrachte das phc-Forum als bisher gelungenes Projekt die nichtrechten Teile der doch sehr zerstrittenen Skinheadszene im deutschsprachigen Raum zusammenzuführen und zu sammeln, um insgesamt sich besser zu vernetzen und auszutauschen, um auch in Zukunft gemeinsam ein paar neue Projekte in Angriff nehmen zu können. Wenn wir uns zusammenschließen, wird es uns möglich sein die rechte Boneheadszene zurückdrängen zu können und in Zukunft wieder mehr Spaß an unserer eigenen Skinheadszene haben zu können. Darauf und dass das phc-Forum weiterhin so gut bzw. noch besser wie bisher läuft trinke ich jetzt erst mal ein Bier und mache Feierabend… Also denn: Cheers und hoffentlich bis bald im phc-Forum!

Meinen besonderen Dank und viele Grüsse richte ich hiermit an alle MitsreiterInnen und Macher des phc-Forums und ein Prosit auf den einjährigen Geburtstag

revolutionaryskin

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