Diskussion bei Slutwalk Berlin: ‚umgedrehter Sexismus‘ ?

Männer abschaffen

Der selektive Anti-Biologismus deutscher Queers – oder: Die Rückgewinnung des Begriffs des Antagonismus für den Feminismus – Ein Demo- und Aktionsbericht

Heute fand in Berlin – wie in sechs anderen BRD-Städten (1) – ein Slutwalk gegen Vergewaltigungen und schuldumkehrende Vergewaltigungsmythen statt. (2) Es kamen weit mehr als die von den VeranstalterInnen erwarteten ca. 3.000 – tatsächlich vielleicht 5.000 – TeilnehmerInnen; weitüberwiegend Teilnehmerinnen, aber doch eine erhebliche Anzahl solidarischer, nach äußerlichem Augenschein männliche Teilnehmer. Nur wenige von letzteren bekundeten, keine Männer zu sein / sein zu wollen und forderten dies auch von anderen – und lösten damit eine überraschende oder vielleicht auch nicht überraschende Kontroverse aus.
Bereits am Donnerstagabend fand in Berlin eine Soli-Party statt. Dort hing ein Transparent, das mir – wie mir scheint – weit über den konkreten Anlaß hinaus die historische Dimension der Slutwalks deutlich zu machen scheint: „Feminism is back – by popular demand“.

In den Aufruf zu deutschen Slutwalks war zwar noch nicht ausdrücklich benannt, wovon denn der Feminismus in den letzten Jahren verdrängt war – mir selbst erscheint: er war von neoliberalem EU-Kommissions-„gender mainstreaming“, grüner „Geschlechterdemokratie“, linksparteilicher „Geschlechtergerechtigkeit“ und queerer gesellschaftstheoretischer Indifferenz verdrängt (3).
Was der Slutwalk-Aufruf aber jedenfalls deutlich machte, war, daß Feministinnen wieder die Systemfrage stellen sollten: „Wir haben es satt in einem System zu leben, das sexualisierte Gewalt, Übergriffe und Belästigungen verharmlost, legitimiert und den Betroffenen die Schuld gibt!“ (4) – Ganz in diesem Sinne hatte bei dem Berliner Slutwalk eine Teilnehmerin einen Plakat mit der Aufschrift, „The only thing I’m asking for is a revolution.“ (5), dabei.

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