9.11.2011: Berlin: Gedenkkundgebung und antifaschistische Demonstration

Die antifaschistische Zeitung zur Demo mit dem Aufruf zum 9. November 2011 gibt es hierals PDF-Datei zum herunterladen.

 

Auftakt zur Vernichtung

Die Gewalt der Novemberpogrome vom 7. -13. November 1938 fand am 9.November ihren vorläufigen Höhepunkt. Überall in Deutschland und Österreich brannten die Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden überfallen, demoliert und geplündert. Jüd_innen wurden von deutschen Antisemit_innen gedemütigt und geschlagen, vergewaltigt und ermordet. Etwa 30.000 Männer wurden verhaftet und in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen verschleppt.

Die Pogrome stellten eine weitere, entscheidende Radikalisierung der antijüdischen Politik des NS-Regimes dar. Bis dahin hatten die Nazis die deutschen Jüd_innen Schritt für Schritt aus der Gesellschaft ausgegrenzt: mit Berufsverboten, Ausschluss aus den Universitäten, später mit den „Nürnberger Rassegesetzen“ oder der „Arisierung“ jüdischer Unternehmen. Der NS-Antisemitismus wurde nach den Novemberpogromen immer gewalttätiger und gipfelte letztlich in dem Versuch, alle Jüd_innen Europas gezielt und umfassend zu ermorden. Bis 1945 hatten die Nazis sechs Millionen Jüd_innen ermordet.

Antisemitismus – Ein stets abrufbares Ressentiment
Antisemitismus ist heute in der deutschen Bevölkerung immer noch weit verbreitet. In den letzten Jahren konnte sogar eine Zunahme von antisemitischen Vorfällen verzeichnet werden. Umfragen zeigen, dass über die Hälfte der Deutschen indirekte oder offen feindliche Einstellungen gegenüber als jüdisch markierten Menschen vertreten. Laut der aktuellen Heitmeyer-Studie 2010 stimmen 16,4 % der Befragten der Aussage zu, dass Jüd_innen zu viel Einfluss hätten. Außer der Schändung von jüdischen Grabstätten oder von Holocaust-Gedenkstätten gibt es auch Vorfälle, die sich direkt gegen Menschen richten. So zeigte sich bei einem Vorfall im brandenburgischen Werder im September 2011, das Antisemitismus auch bei den Enkeln der Täter_innengeneration weit verbreitet ist. Mitarbeiter_innen des Jüdischen Museums in Berlin wurden in übelster Art und Weise antisemitisch beschimpft. Die Schüler_innen meinten u.a., „früher hätte man euch vergast“. Die Äußerungen wurden herunter gespielt und die Lehrer_innen nahmen ihre Schüler_innen in Schutz.

Die neonazistische NPD hingegen macht sich nichts daraus, ihren Antisemitismus zu verbergen. Erst jüngst warb die Partei mit dem Werbeslogan „Gas geben“. Die Plakate hingen über Wochen in der ganzen Stadt, auch vor jüdischen Einrichtungen. Die Partei kann sich nicht nur das Plakat dank der Wahlkampfkostenrückerstattung durch Steuergelder finanzieren lassen, sondern auch unter dem Schutz der Polizei aufhängen. Ob offen, wie bei der den NS verherrlichenden NPD oder bürgerlich verdeckt wie in Werder: Es gilt allen Formen des Antisemitismus den Kampf anzusagen.

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