9.2.2016 Friedel 54/Berlin: Info & Diskussion: „Kaufen statt Besetzen?“

Info & Diskussion: „Kaufen statt besetzen?“ – Das Mietshäusersyndikat stellt sich und seine Rolle im stadtpolitischen Kontext vor.

20.00 Uhr @ Kiezladen Friedel 54, (U-Hermannplatz)

Der Traum vom Eigenheim, den die bürgerliche Gesellschaft mit sich bringt, macht auch nicht vor der Linken halt. Verständlich, denn inmitten dieser abstrakten Besitzverhältnisse ist der eigene Besitz nicht zuletzt ein Stück weit Autonomie. In den Achtzigern konnte dieser Traum noch in Form von Besetzung in Abgrenzung und Opposition zum bürgerlichen Leben wahrgenommen werden. Der große Leerstand machte diese nicht nur in Berlin en vogue. Die Selbstverwaltung jener Häuser lehnte jedoch bürgerliches Eigentum ab: „Alles für Alle – und zwar umsonst!“. 30 Jahre später ist von dieser Romantik wenig zu sehen. Zu reizvoll ist der Immobilienmarkt in Berlin geworden, nicht erst seit der Ernennung zur Hauptstadt. Mit der Marktsituation hat sich auch die Wohnsituation geändert. Die meisten der besetzten Häuser sind geräumt oder in prekären Duldungsverträgen. Ihre Bewohner zahlen Miete wie in einem „normalen“ Mietshaus. Was früher Schandflecken waren, sind heute Filetstücke. Mit dem alternativen Image bestimmter Straßenzüge werden dortige Immobilien beworben. In Stadtteilen, wo früher nur Geringverdienende gelebt haben, werden heute vor allem Sozialhilfeempfänger zwangsgeräumt.

Um sich Immobilien anzueignen und diese dem Markt zu entziehen, haben sich derzeit 104 Projekte und 22 Initiativen im „Mietshäusersyndikat“ assoziiert. Sie bilden eine Gemeinschaft, in der die einzelnen Projekte in relativer Autonomie über ihre Häuser bestimmen können und gleichzeitig in Abhängigkeit zum Syndikat keinen Verkauf ihrer Grundstücke ohne dessen Genehmigung erwirken dürfen. Hausprojekte, Öko-Kommunen und soziale Zentren finden sich im Syndikat. Der politische Anspruch ist sichtbar, aber wie genau formuliert? Hätten in den Achtzigern vielleicht mehr Menschen mit Hilfe des Syndikats Häuser kaufen statt besetzen sollen? Oder verrät man durch das Akzeptieren bürgerlicher Besitz- und Vertragsverhältnisse gar seine „Ideale“? Ist ein solcher Pragmatismus möglicherweise die einzige noch mögliche Art und Weise selbstverwaltet zu wohnen ohne Gefahr zu laufen, geräumt zu werden? Und wie positioniert sich das Mietshäusersyndikat in stadtpolitischen Auseinandersetzungen? Diese und weitere Fragen wollen wir gemeinsam mit zwei Aktiven von der Berliner Sektion des Syndikats nach einem Input diskutieren.

Ab 19.30 Uhr gibt es Essen.
Ab 20.00 Uhr beginnt die Veranstaltung
Die Veranstaltung ist rauchfrei. Es gibt einen separaten Raucherraum.
http://www.syndikat.org/de/